Projektinformationen
Architekt
bOb Van Reeth
Standort
Brussels
Baujahr
1995
Verwendete Produkte

Vor mehr als 25 Jahren erhielt das König-Baudouin-Stadion ein gründliches Makeover: Der Eingangsbereich und die Haupttribüne des nationalen Fußballstadions wurden in ein neues Gewand gehüllt. Eine Auffrischung, die sofort für Schlagzeilen in den Medien sorgte. Denn dies war das erste Projekt in Belgien mit geklebten Ziegeln von Nelissen Ziegeln. Der Antwerpener bOb Van Reeth, der erste flämische Baumeister, stand an der Wiege des erneuerten Stadions: „Das Verkleben ist seither sehr erfolgreich geworden. Und ich bin noch immer unglaublich froh über das Ergebnis. Denn man blickt auf ein Kunstwerk wie aus einem Guss. Das vermittelt ein korrektes Bild davon, was ein Backstein sein will. Er kommt so optimal zur Geltung.“

Der geklebte Nelissen-Ziegel erlebte seine Feuertaufe also in dem Fußballtempel, in dem heute die Roten Teufel glänzen. bOb Van Reeth erinnert sich an das seltsame Gefühl, als er das erste Mal auf der Baustelle ankam: „Normalerweise hat ein Maurer einen Ziegel in der einen und eine Kelle in der anderen Hand. Aber jetzt standen sie da und spritzten mit einer Klebepistole kleine Würste, so wie ein Bäcker, der mit einem Spritzbeutel voller Sahne seine Torte garniert. Es dauerte ein paar Meter, bis sie die Technik in den Fingern hatten. Aber danach ging es wie von selbst.“

Innovation mit einzigartiger Ausstrahlung

„Ziegel zu verkleben hat drei Vorteile“, so Van Reeth. „Auch wenn man mehr Steine benötigt, geht der Bauprozess doch deutlich schneller. Die Fugen sind nämlich viel kleiner. Aus der Ferne sind diese minimalen Fugen zudem kaum zu sehen. Dadurch erhält man eine geschlossene, monolithische Optik. Und schließlich lassen die Ziegel kein Wasser mehr durch. Die Kombination dieser Vorteile zog natürlich die Aufmerksamkeit auf sich.“

Ziegeltourismus

„Die fortschrittliche Technik kam bei Architekten gut an“, erinnert sich Van Reeth. „Sobald die Arbeiten abgeschlossen waren, kamen Busse voller Architekten, um den Effekt der geklebten Ziegel zu bestaunen. Sie waren verwundert und begriffen sofort, dass sie ein neues Werkzeug hatten, um ihre Entwürfe kreativer auszuarbeiten. Ein Vierteljahrhundert später begegnet man der Technik noch oft.“

Straffe Deadline sorgt für Adrenalin

Die Vergabe des Projekts bescherte Van Reeth ein paar bange Momente: „Ich bekam eine Woche Zeit für den Entwurf. Das ist frustrierend, sorgte aber gleichzeitig für einen Adrenalinschub. Und den konnte ich gut gebrauchen, denn ich stand im Wettbewerb mit einem zweiten Architekten. Die Projektvorstellung bei der Stadt Brüssel verlief ebenso seltsam: Wir mussten den Entwurf einfach abgeben, ohne ihn erläutern zu können. Aber auf dem Rückweg erhielt ich im Wagen schon den erlösenden Anruf (lacht).“

Einfachheit schafft Mehrwert

Laut dem österreichischen Philosophen Wittgenstein muss ein Architekt entwerfen, um zu verherrlichen und zu verwundern. Dieser Gedanke gefällt Van Reeth: „Der knallrote Ziegel 'Spanisch Rot' von Nelissen spricht sofort an. Auch wenn die Farbe keine bewusste Anspielung auf die Roten Teufel ist, verleiht sie der Tribüne doch Ausstrahlung. Dabei steht die Einfachheit des Konzepts symbolisch für geballte Komplexität. Wenn man aufmerksam auf das scheinbar banale Äußere schaut, sieht man, dass die Fassade ein einziges Ganzes bildet.“